Gentechnologie

Der Verwandtschaftsgrad bei den Karbes und deren Herkunft seit der letzten Eiszeit

Eine gentechnologische Untersuchung von Eberhard Karbe

  fAls Ergebnis unserer Familienforschung kennen wir wohl alle Karbes, die von Johann Christian Karbe abstammen. Er lebte von 1705 bis 1770 und war der letzte Lehnschulze in Zühlen, in der ehemaligen Grafschaft Ruppin. Seine männlichen Nachkommen waren Landwirte in der Region Frankfurt (Oder) und in der Uckermark. Die heute lebenden männlichen Nachkommen mit dem Namen Karbe stammen ab von seinen drei Söhnen Carl Friedrich (Blankenburger Stamm), Philipp Heinrich (Gramzower Stamm) und Adam Christian (Neuendorfer Stamm). In  dieser Untersuchung wurden die drei Stämme repräsentiert durch Dr. Klaus Karbe, Adalbert Karbe und Prof. Dr. Eberhard Karbe. Diese drei Vettern 5. Grades leben also in der 6. Generation nach Johann Christian.

  Es gibt heute Karbes, die aus der gleichen Region stammen, für die aber nicht nachgewiesen werden konnte, dass sie von Johann Christian Karbe abstammen. Es wurde vermutet, dass sie Nachkommen von einem Vorfahren von Johann Christian Karbe sind. Zu diesen heutigen Karbes gehört Joachim Karbe, Bildhauer in der Uckermark, der auch untersucht wurde. Außerdem gehören hierzu die Sonnenberger Karbes, deren Vorfahren in Sonnenberg lebten, knapp 20 km Luftlinie von Zühlen entfernt. Sowohl die Zühlener Karbes wie die Sonnenberger Karbes hatten damals enge lehnsrechtliche Beziehungen zum Kloster Lindow. Auch die beiden Sonnenberger Karbes André (jetzt im Raum Osnabrück) und Günter (Bodensee) wurden untersucht. Die beiden kennen sich nicht und sind deshalb wohl nicht nahe Verwandte.

  Diese sechs männlichen Karbes wurden kürzlich gentechnologisch untersucht, um Aufschluss über ihren Verwandtschaftsgrad zu erhalten. Zu diesem Zweck wurden die Y-Chromosomen analysiert, die es nur bei Männern gibt. Etwa die Hälfte der Kinder erhalten bei der Zeugung vom Vater ein Y-Chromosom und werden dadurch zu Söhnen, die anderen erhalten vom Vater ein X-Chromosom und werden dadurch zu Töchtern. Die wenigen wichtigen Gene auf dem besonders kleinen Y-Chromosom sind über Jahrtausende stabil. Sie sind infolgedessen ungeeignet zur Erkundung von Abweichungen in dem erbgeschichtlich nahen Zeitraum von 1000 Jahren.

  Neben diesen erwähnten wichtigen Genen auf dem Y-Chromosom gibt es aber zahlreiche Teilstücke, die jeweils aus mehreren identischen Untereinheiten bestehen (bis zu 20 und mehr). Die Zahl dieser Untereinheiten bleibt nicht über so viele Generationen konstant, sondern ändert sich von einer Generation zur nächsten in einer Häufigkeit von ca. 4 %. International hat man sich geeinigt, für Zwecke der Verwandtschaftsuntersuchung 16 ausgewählte bestimmte Teilstücke auf dem Y-Chromosom zu analysieren. Bei den 6 Karbe-Männern gab es folgende Ergebnisse (auch Haplotypen genannt):

  1. Die Y-Chromosomen der Zühlener Karbes: Klaus, Adalbert und Eberhard sind in allen 16 untersuchten Teilstücken identisch. Hieraus kann man den Schluss ziehen, dass diese drei Vettern genetisch von ein und derselben Person abstammen und dass diese das gleiche Y-Chromosom hatte (laut Familienforschung Johann Christian Karbe).

  2. Das Y-Chromosom von Joachim unterscheidet sich von jenem der drei Vettern der Zühlener Karbes in vier von den untersuchten 16 Teilstücken jeweils in Einzelschritten. Er ist also kein Nachkomme von Johann Christian, aber er stammt höchstwahrscheinlich von einem Vorfahren Johann Christians ab, der innerhalb der letzten 1000 Jahre gelebt hat.

  3. Die Y-Chromosomen von André und Günter sind in ihren 16 untersuchten Teilstücken identisch. Daraus ergibt sich, dass sie einen gemeinsamen Vorfahren haben, von dem die Sonnenberger Karbes  abstammen. Es wurde jedoch festgestellt, dass sich 12 von den 16 untersuchten Teilstücken von denen der Zühlener Karbes unterscheiden, und zwar jeweils in 1 bis zu 3 Schritten. Das Gutachten geht davon aus, dass die Sonnenberger und die Zühlener Karbes nicht miteinander verwandt sind.

  Aufgrund der oben erwähnten stabilen Y-chromosomalen Linen (auch Haplogruppen genannt) unterscheidet die Genforschung für Europa 8 stammesgeschichtliche Bevölkerungslinien. Seit dem Ende der letzten Eiszeit bzw. seit etwa 18.000 Jahren haben sich diese 8 Bevölkerungslinien in unterschiedlichen Regionen Europas ausgebreitet und schwerpunktmäßig angesiedelt.

  Die gentechnische Untersuchung der 6 Karbes hat ergeben, dass die Zühlener Karbes und die Sonnenberger Karbes zwei verschiedenen Bevölkerungslinien zuzuordnen sind:

  • Die Zühlener Karbes werden zur Linie I 1a gerechnet, die sich nach der letzten Eiszeit über den Balkan nach Mittel- und Nordeuropa bewegte und jetzt besonders häufig im nördlichen Mitteleuropa und Skandinavien vorkommt.

  • Die Sonnenberger Karbes gehören zur Linie R 1a. Diese Gruppe stammt aus der Gegend nordöstlich des schwarzen Meeres und hat sich nach dem Abklingen der letzten Eiszeit nach Osteuropa, aber auch nach Mittelasien ausgebreitet. Heute ist die Linie dominierend in Osteuropa.

  Die Ergebnisse über die örtlichen Bewegungen der beiden Bevölkerungslinien I1a und R1a zeigen, dass die Ausbreitung nach der Eiszeit mit großer Standorttreue der Männer vor sich ging. Wenn man eine Bewegung von 2 000 km in 10 000 Jahren annimmt, wären das 200 m pro Jahr, also sicher keine Völkerwanderung. Wahrscheinlich liefen solche Bewegungen in Wellen .

  Die neuen gentechnologischen Methoden sind eine hervorragende Ergänzung unserer genealogischen Forschungen. Unsere bisherigen Vermutungen wurden im Fall Joachim Karbe bestätigt, im Fall der Sonnenberger Karbes widerlegt. Weitere Untersuchungen dieser Art sind wünschenswert. Männliche Karbes, die nicht von Johann Christian Karbe abstammen, werden hiermit ermuntert, sich auch untersuchen zu lassen, wobei sie in den Genuss unseres günstigen Gruppenpreises kommen können. Der Autor dieses Beitrags erteilt gerne Auskunft (eberhardt punkt karbe ät t minus online de).

Herrn PD Dr. Lutz Roewer an der Charité in Berlin verdanken wir die gentechnologischen Untersuchungen und Interpretationen.