Herkunft des Namens

Namensvorkommen in Urkunden aus vorreformatorischer Zeit

Der Name kommt in Urkunden, wie später auch in Kirchenbüchern, in verschiedensten Schreibarten vor: Karbe, Karwe, Karve, Karffe, Karowe, manchmal am Anfang auch mit "C" geschrieben. Die frühere Schreibart mit "w" oder "f" entspricht der niederdeutschen Mundart. Noch bis in unser Jahrhundert sprachen Bewohner der Mark Brandenburg den Namen Karbe in der niederdeutschen Weise als "Karwe" aus. 

Der unterschiedlich geschriebene Name kommt in den Urkundenbüchern Brandenburgs und Mecklenburgs häufiger vor. Vielfach handelt es sich um Personen, die einer ausgestorbenen mittelalterlichen Adelsfamilie in der Grafschaft Ruppin und beiderseits der Grenze zwischen Prignitz und Mecklenburg-Schwerin zuzuordnen sind. Andere in den Urkundenbüchern genannte Personen können dieser Familie - möglicherweise handelt es sich sogar um zwei, verschiedene Geschlechter - nicht zugerechnet werden.

Im Jahre 1424 beteiligte sich ein Mathias Karwe, Knecht, d. h. Vasall des Achim Platen, an einem Raubzug beim Schloss Zechlin und nahm mit seinen Mithelfern "ute dem Lande Stargarde" dem Bischof von Havelberg 2 Pferde weg. Zechlin, heute identisch mit dem Flecken Zechlin, liegt Zühlen benachbart, und Achim Platen war zu dieser Zeit der Inhaber der Herrschaft Rheinsberg, die in unmittelbarer Nachbarschaft von Zühlen lag. Interessant ist auch, dass das oben genannte Dorf Menow bis 1538 im Lehnsbesitz eines Peter Karwe war. Dieser ist offenbar ohne Lehnserben gestorben, das Menower Lehen wurde danach jedenfalls vakant. Es gab daraufhin einen Streit zwischen dem Herzog von Mecklenburg und dem Kloster Lindow wegen der weiteren Verwendung des Lehens. In diesen Streit schaltete das Kloster Lindow den Achim Dewitz als Vermittler ein. Das Ergebnis war, dass Menow dem Kloster Lindow verblieb. Es ging dann mit der Säkularisierung in den Besitz des Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg mit der Folge über, dass Menow bis in die jüngste Zeit, genauer bis 1938, eine brandenburgische Exklave in Mecklenburg blieb.

Herkunft des Namens

Friedrich-Carl Karbe geht davon aus, dass der Familienname von einem Ortsnamen abgeleitet ist, denn Ortsnamen waren früher da als die Familiennamen.

Bekannter als das im 15. Jahrhundert untergegangene Dorf Karbe am Ellbogensee sind zwei andere Dörfer gleichen Namens. Das Dorf Karwe am Ruppiner See ist durch Theodor Fontane bekannt geworden. Er beschreibt es bei seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" in dem Band "Grafschaft Ruppin". Von diesem Dorf soll die im 14. bis 16. Jahrhundert in der Grafschaft Ruppin, namentlich Neuruppin, nachweisbare adelige Familie ihren Namen herleiten (vgl. Berghaus, Grafschaft Ruppin, 1799, 8. 196f). 

Von dem anderen Dorf Karwe, gelegen an einem gleichnamigen Bach an der Grenze der westlichen Prignitz zu Mecklenburg, sollen die in der Prignitz und in Mecklenburg-Schwerin nachweisbaren Namensträger ihren Namen herleiten. Dort hat es eine deutsche Burg Karwe gegeben, die aber bald verwüstet wurde (vgl. Johannes Schulze, Die Prignitz, 1956, s. 71). 

Der Ortsname Karwe dürfte slawischen Ursprungs sein. Er bedeutet soviel wie Kessel, Schlucht, sumpfige Niederung. Aber auch im Althochdeutschen bedeutet die Silbe "Kar" nichts anderes. Wenn man in einigen alten Nachschlagewerken liest, dass Karbe als Pflanze identisch sei mit dem Kerbelkraut oder der Kümmelpflanze, so braucht dies kein Widerspruch zu sein, denn das Kümmelkorn ist "gekerbt". Es dürfte sich um ein Wort indogermanischen Ursprungs handeln.