Stammväter

Die gesicherte Stammfolge des Geschlechts Karbe beginnt mit den schon vor 1540 mit dem Lehnschulzengericht zu Zühlen bei Rheinsberg im Lande Ruppin belehnten Namensträgern, deren Vornamen nicht bekannt sind. Mit dem Vornamen wird erstmalig 1574 Bartholomäus Karwe, Erb-, Lehn- und Gerichtsschulze zu Zühlen, genannt. Nach dem ältesten feststellbaren Lehnsbrief ist das Geschlecht Karbe vom Kloster Lindow mit dem Erbschulzengericht zu Zühlen bereits vor Bartholomäus durch mehrere Geschlechterfolgen belehnt gewesen. Da der Grundbesitz dieses Klosters um 1540 eingezogen und säkularisiert wurde, muss das Geschlecht schon längere Zeit vor 1540 auf dem Lehnschulzengericht zu Zühlen gesessen haben. Da ferner nach Dr. Johannes Schultze "Die Hofbesitzer in den Dörfern des Landes Ruppin 1491-1700" (Ruppin 1937) die wirtschaftliche Lage solcher Erbschulzengüter infolge ihrer Freiheit von Diensten und durch den Genuss anderer Vorrechte recht günstig, außerdem durch das Lehnsrecht die Erbfolge gesichert war, wurde im allgemeinen dem belehnten Geschlecht jahrhundertelang sein Besitzrecht gewahrt. 

Das Lehnschulzengericht in Zühlen ist bis zum Jahre 1756 im Besitz des Geschlechts Karbe geblieben und immer vom Vater auf den Sohn vererbt worden. Durch Kaufvertrag vom 11.11.1756 veräußerte Johann Christian Karbe dieses im Jahre 1719 in freies Eigentum umgewandelte Lehnschulzengut, da er - mindestens seit 1732 - größere Pachtbetriebe übernommen hatte, wahrscheinlich die Güter Lögow (Kr. Ruppin), dann Selbelang (Kr. Westhavelland) und schließlich mit Sicherheit Wüste Sieversdorf (Kr. Lebus), das zur Herrschaft Buckow gehörte.

Durch die Übernahme der Bewirtschaftung dieser größeren Betriebe legte JohannChristian den Grundstein zum sozialen Aufstieg des hier behandelten Geschlechts. Diesen Aufstieg setzten seine 8 Söhne durch die Pachtung von Staatsdomänen und Schulamtsgütern sowie auch von Rittergütern fort und erwarben zum Teil auch schon Rittergüter käuflich. Trotz beschränkter finanzieller Verhältnisse verstanden es alle 8 Brüder sich überall Vertrauen zu erwerben und wo die finanziellen Verhältnisse nicht ganz ausreichten, sprang einer der Brüder mit einer Pachtkaution für den anderen ein. So konnten denn diese 8 Brüder ihren Pachtbesitz im Jahre 1775 schon auf insgesamt über 12000 Morgen ausdehnen. Da in dieser Zeit noch eine recht kurzfristige Verpachtung üblich war, vielfach für eine Pachtzeit von nur 6 Jahren, fand damals ein häufiger Wechsel der Pachtobjekte statt.

Als erstes Rittergut wurde im Jahre 1789 Sieversdorf bei Frankfurt a. d. Oder, das schon einige Jahre vorher im Pachtbesitz der Familie gewesen war, von dem Oberamtmann Philipp Heinrich Karbe käuflich erworben, der aber seinen Wohnsitz auf dem Amt Chorin beibehielt und Sieversdorf an einen seiner Brüder verpachtete. Die für Bürgerliche damals zum Ankauf von Rittergütern erforderliche Genehmigung des Königs wurde durch den Gönner der Familie, den damaligen Staatsminister v. Voß, erwirkt. Sieversdorf hat sich bis zum Jahre 1945 im Besitz der Familie - allerdings in weiblicher Deszendenz - erhalten. 

Durch die Übernahme weiterer Betriebe konnten die 8 Söhne Johann Christian Karbes ihren Grundbesitz bis zum Jahre 1790 auf über 30 000 Morgen erweitern. Der höchste Besitzstand wurde dann in der 3. Generation um das Jahr 1840 mit über 50 000 Morgen erreicht; in dieser Zeit überwog dann schon das Eigentum den Pachtbesitz. 

Von den 8 Söhnen des Johann Christian Karbe starben zwei, welche die Domänen Sachsendorf (Kr. Lebus) undNeuendorf (Kr. Angermünde, Bild) in Pacht hatten, in jungen Jahren, ohne Nachkommen zu hinterlassen. Drei von den Söhnen, die Pächter der Domänen Biegen, Jacobsdorf und Hohenwalde (sämtlich Kr. Lebus) waren und von denen der eine auch Erb- und Gerichtsherr auf Worin und Petershagen wurde, hinterließen Nachkommen. Die Söhne des Biegener und Jacobsdorfer Pächters konnten diese Pachtungen fortsetzen und auch die Rittergüter Worin und Petershagen blieben noch eine Generation im Besitz des Geschlechts. Diese Stämme starben aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mannesstamm aus.

Begründer der jetzt noch im Mannesstamm blühenden drei Stämmen des Geschlechts sind:

  1. Carl Friedrich Karbe, Kgl. Preuß. Oberamtmann zu Torgelow (Amt Freienwalde), Begründer des Torgelow-Blankenburger Stammes,
  2. Philipp Heinrich Karbe , Kgl. Preuß. Oberamtmann zu Chorin, Generalpächter der Ämter Chorin und Gramzow (Kr. Angermünde, Bild), Rittergutsbesitzer auf Sieversdorf, Begründer des Chorin-Gramzower Stammes,
     
  3. Adam Christian Karbe , Kgl. Preuß. Oberamtmann zu Neuendorf, Begründer des Neuendorfer Stammes.

Quelle: Deutsches Geschlechterbuch Band 150, 1969, C.A. Starke 
Verlag, Limburg S. 2-6 (gekürzt)